Stimmen aus den Gefängnissen

Weil es uns ein Anliegen ist, dass sich Gefangene Gehör verschaffen können, veröffentlichen wir hier Nachrichten, die aus Gefängnissen erhalten haben. Wir veröffentlichen auch solche, die nicht die Meinung der Soligruppe wiedergeben.


Hier ein Kommentar eines jungen Mannes zur Ungleichbehandlung im Knast.
Er wurde wegen Raub im Rahmen einer kriminellen Vereinigung zu vier Jahren unbedingt verurteilt wurde – seine erste Verurteilung – und ist mittlerweile 22 Jahre alt. Seine Haftstrafe hat er bisher ohne
Hafterleichterungen verbüßt. Er will anonym bleiben, da er
Repressionenen fürchtet, bittet uns aber, das Folgende zu veröffentlichen.

„Weißt du, das Gefängnis macht jeden kaputt! In russischen und
amerikanischen Gefängnissen schlagen die Wärter die Gefangenen, sie machen sie physisch kaputt, aber hier machen sie dich moralisch kaputt. Psychisch, verstehst du? Sie geben keinen Ausgang, weil man angeblich gefährlich ist, und sie geben keine Halb- oder Drittelstrafe.

Aber Leute, die wiederholt rückfällig wurden, sogar wegen sexueller
Delikte, bekommen Ausgang, Halb- oder Drittelstrafe und  überhaupt alles, was sie in der Anstalt verlangen.

Ich aber bin „gefährlich“, darum bekomme ich keine Hafterleichterungen. Und ich bin ein Tschetschener, kein Österreicher.

Wenn wir halal essen wollen, müssen wir uns unser Essen selbst kaufen (und das obwohl die Anstalt 75% unserer Arbeitsvergütung als Unterhaltsbeitrag einzieht). Es gibt kein Halal-Essen hier! Die Juden im Knast bekommen z.B. ihr Essen draußen von der jüdischen Gemeinde, sie haben  ihr eigenes Geschirr und nicht das Knast-Geschirr. Aber die muslimische Gemeinde, die eigentlich den Muslim_innen in Österreich helfen sollte, rührt keinen Finger für uns da drin.

Alle, die für den Staat arbeiten – die Wärter, der Vollzugsleiter, der
Anstaltsleiter, die Kommandanten, der Staatsanwalt, der Anwalt – einfach alle sind Rassisten!

Ich fordere die GLEICHBEHANDLUNG ALLER GEFANGENEN!“