Neuigkeiten von Georg Huß: Dreitägiger Durststreik!

Unser Kollege Georg Huß war drei Tage lang im Durststreik. Wir veröffentlichen hier Auszüge aus seinen Briefen, die wir in den letzten Wochen bekommen haben.

10.01.2017

Liebe B. und M.!

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Heute bekam ich die Übersetzung der Forderungen und erfuhr, wo sie überall zu lesen ist … Wenn das die französischen und EU-Gefangenen nicht „aufrüttelt“ und die solidarischen Menschen nicht zum Handeln anregt, dann ist uns Opfern des Justizapparates nicht zu helfen.

Hinderlich ist die Isolation, der wir unterworfen sind, aber auch das werden wir aufbrechen. Nicht nur für unsere Arbeit, sondern auch für jede soziale Bindung ist das „tödlich“. Aufhebung der Kontaktsperren – Telefon, Internet, Post, Medien sollte eine unserer Hauptforderungen sein! Nur deshalb konnte so ein „Parallel-Staat“ entstehen. Hier hätten wir die Zeit, uns weiterzubilden, zu lernen, politisch zu informieren. Hier gibt es ja nicht mal Zeitungen, und egal in welcher JVA musste ich um jedes Gratis-Abo kämpfen.

Ich rufe die Verlage auf, uns Häftlinge dabei zu unterstützen, die Medienzensur zu beenden. Die Telefon- und Internet-Anbieter können auch das ihrige dazu beitragen, uns mit der Welt zu vernetzen. Ist Internetzugang nicht mittlerweile ein Menschenrecht?

Wie kann es sein, dass selbst unsere Post be- und verhindert und sogar unterbunden wird? Es ist auch hier in Frankreich so, dass die Anstaltsleitung willkürlich darüber entscheiden kann, mit wem wir korrespondieren, angeblich um schlechte Einflüsse von uns fern zu halten. In Österreich war sogar Blickpunkte, eine Zeitschrift von und für Gefangene ein schlechter Einfluss. ABC –Wien (Politische Organisation) ebenso und ob hier meine Post an Amnesty International rausgeht ist fraglich.

[…]

11.01.2017

[…]

Die Entrechtung ist halt allumfassend, da wäre ja ein Ansatzpunkt in jeder Anstalt, ein GG/BO-Büro zu fordern, die bei solchen Dingen hilft – gezahlt von der Justiz!! Genau wie der Soziale Dienst, Drogen-Berater-Therapeut, Seelsorge usw.

Das ist so meine Vision und das EU-weit, Gefangene als „Sozialarbeiter“ – und wehe wir lassen uns korrumpieren, aber das wäre ja durch freie Wahlen zu verhindern. Wenn wir in dem Tempo weitermachen, gibt’s das schon in 3-5 Jahren.

Solidarische Grüße und 1000 Dank

Eurer Georg

20.1.2017

Liebe M., B. und und und!

Ich habe Euch zwar schon über die Botschaft (Paris) geschrieben, aber wer weiß, ob das ankommt. 150€ von E. wurden beschlagnahmt. Kirchengeld und gegen geltendes Recht! Ich trete am 23.1.2017 in Durststreik um ein Telefonat mit [der] Botschaft (Paris) und euch zu erzwingen und diesen neuerlichen Rechtsbruch/Schikane, die hier jeden betrifft, anzuprangern. Meinem französischen Zellengenossen wird jeder – wirklich jeder – Antrag abgelehnt, ob Klobürste, Handfeger, … und heute die Nutzung des Telefons im Haus, er soll die 2-3 Std für ein Gespräch in den kalten Hof gehen. Der hat nicht mal eine Jacke bekommen und seine, die er in einem anderen Knast hatte, ist hier verboten (weil sie schwarz ist). Was bilden die sich ein, was soll das, wollen die unbedingt Hass schüren?

Da ich davon ausgehe, nicht mal mit der Botschaft sprechen zu dürfen, werde ich Mittwoch 25.1 oder 26.1.2017 im Spital landen, bitte fragt wo ich bin! Ich weiß, dass Ihr eh alles Menschenmögliche unternehmen werdet. Hoffentlich wird das hier bald beendet, das ist die Hölle für jeden. Selbst das Wachpersonal schüttelt den Kopf, die können aber nichts machen und müssen die „Prügel“, den Hass einstecken. Diese Marke hab ich mir in der Kirche erbettelt und wie üblich nutze ich die 20g aus. Das mit dem Kirchengeld ist eine super Sache für uns! Nutzt das!!! Ich glaub manchmal, das macht einer, der uns helfen will, so dumm kann doch keiner sein, oder glauben die, sie seien unantastbar. Die müssten doch wissen, wer ich/wir sind. Was ich mache stichelt doch auch andere auf, der aus Paris hat mir ja nicht nur so geschrieben – das spricht sich rum, glaubt mir ich werde nicht der letzte sein – das hier ist nicht Österreich, denen geht’s Scheiße und sind aufrührerischer.

26.1.2017

Alle haben hier Angst! Terror-Regime und scheinbar gedeckt von dem Ausnahmezustand in Frankreich … Ich hab Salzlösung-Infusion erbeten, sonst Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung und billigendem In-Kauf-Nehmen bleibender Schäden. (…) Stand 9:00, mal sehen, was noch geschieht, mir geht’s gut. Durstig und erschöpft, aber sollte es kritisch werden, trink ich schon wieder. Ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte – oder ich bin so hart im Nehmen. (…)

So, ich beende jetzt, 26.1.2017, 17:00 meinen Durststreik.

Abschrift meines Briefs an die Direktion:

An die Lagerleitung, Direktion,

da mir Ihre Menschenverachtung auf ein Neues bewiesen wurde, werde ich heute, 17:00, meinen Durststreik beenden.

Ich will mir ja nicht schaden und Ihnen so lange wie möglich in diesem KZ Mulhouse erhalten bleiben.

Solidarische Grüße

Georg Huß.“

(…)

Der Zellengenosse hat mittlerweile Gastritis/Magenentzündung/Geschwür und Hautausschlag, ist mit den Nerven am Ende, wartet nur noch seine (Schlaf/Psycho)Pillen und spricht oft davon, sich zu schneiden. (…)

Und ob ich durchhalte! Ganz im Gegenteil, je schlimmer die Umstände, desto stärker werde ich – das dürfte ich doch schon in Österreich unter Beweis gestellt haben. Die Repressionen sind ja nur ein Beweis der Schwäche und geben mir umso mehr Munition! (…)

Leider „folgen“ uns nur die wenigsten der Leidensgenossen, zum einen aus Angst, Resignation oder sie identifizieren sich mit diesem System und sehen mich als Nestbeschmutzer. Letztere sind am lautesten, aber ich höre die leisen Stimmen derer, die auf meiner Seite sind.

(…)

Ein Gespenst geht um, hinter den Mauern und davor.

Georg

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