Brief von Georg Huß vom 27.12.2016 – Haftbedingungen und Hungerstreik

Diesen Brief hat Georg an die Deutsche Botschaft in Paris geschickt und er wurde auf seinen Wunsch hin an uns weitergeleitet.

27.12.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

entschuldigen Sie, dass ich Sie fast täglich „belästigen“ muss, aber mir widerfahren täglich neue Schikanen, Rechtsbrüche usw. Heute wurden mir 3 Zettel auf französisch vorgelegt, die angeblich besagen, dass in 3 Briefen Geld geschickt wurde, dies illegal sei und das Geld konfisziert werde. Das hat mir mein Zellengenosse „übersetzt“, der selbst äußerst erstaunt ist. Ich werde gezwungen, diese Zettel zu unterschreiben, da ich sonst die Briefe nicht bekäme…

Ich gehe davon aus, dass dieses Vorgehen illegal ist! Sowohl die Unterschrift als auch der Diebstahl meines Geldes. Die Briefe bekam ich trotzdem nicht. Meine Korrespondenz wird offenkundig verhindert, behindert, verzögert, was ebenso illegal ist. Auch kann mir kein Geld überwiesen werden, da dies hier nur von der Familie oder Personen, die schon zu Besuch waren, erfolgen kann. Ich bin mittlerweile total mittellos, kann mir weder Toilettenartikel (die ich auch nicht von der Anstalt bekomme) noch Briefmarken kaufen, von Tabak und (…) ganz zu schweigen. Warum glauben sie wohl benutze ich so einen „Schmierzettel“, entschuldigen Sie auch meine Schrift, ist meiner Aufregung geschuldet.

Ich bitte Sie mich umgehend zu besuchen und mir das Nötigste mitzubringen. Ich kann Ihnen die Kosten erstatten, sobald ich an das Geld komme, das meine Freunde und Genossen mir schicken. Mittlerweile wurden mir ca 200€ gestohlen!

Ich bestehe im Übrigen darauf nicht verlegt zu werden, unter anderem da ich ab 1.1.17 in unbefristeten Hungerstreik trete. Die vorläufige Liste der Forderungen liegt bei Amnesty Int BRD auf. Ich kann keine Abschrift für Sie anfertigen, da ich selbst beim Stift sparen muss.

Den Hungerstreik werde ich am 1.1.2017 verkünden, setze daher voraus, dass bis dahin Stillschweigen herrscht. Meines Wissens wurde bereits das Auswärtige Amt in Berlin informiert. Eine Schande wie hier „westliche Werte“ zur Schau gestellt werden. Sollte ich plötzlich verlegt werden oder eine Maßnahme, die mich noch mehr schikaniert, widerfahren, werde ich jedwede „Kooperation“ mit den französischen Repressionsorganen komplett einstellen; d.h. ich werde mich nicht mehr „bewegen“ …

So jetzt ist erst mal Hofgang, da werd ich mich wohl etwas beruhigen(…).

Da ich z.Z. keine Abschriften machen kann, bitte ich Sie diesen Brief zu scannen und per Mail and die GG/BO weiterzuleiten. Auch bin ich gezwungen einen Brief beizulegen, da ich mittlerweile fest davon ausgehen muss, dass meine Post „verschwindet“. Sie könne meine Korrespondenz gerne lesen – zum einen um zu sehen, dass ich sie nicht für „illegales“ benutze und zum anderen damit Sie über mein Vorgehen im Bilde sind/keine unliebsamen Missverständnisse entstehen.

Jetzt unterschlagen die sogar meine Briefe in denen das Geld drinnen war und in denen, die ich erhielt, wird erwähnt, dass zeitgleich noch andere Solipost abgeht…

Was soll’s, mich jetzt aufregen, schadet mir nur selbst. Ich gehe davon aus, dass Sie wissen was auf die französische Justiz zukommt, bzw. die stecken schon mitten drin. Mal sehen was geschieht, da ich vom Schlimmsten ausgehen muss, verlange ich – sollte ich zu Tode kommen – Ermittlungen deutscher Behörden. Zu meiner „Sicherheit“ verzichte ich auf eine Einzelzelle, und muss sogar auf eine Doppelzelle bestehen! Jetzt schreib ich noch die vorläufige Liste meine Forderungen ab, „wasch“ meine Wäsche und erschlage einige Kakerlaken.

Hochachtungsvoll Ihr Georg Huß

PS.: Sollten Sie mir ein „Care-Paket“ zukommen lassen, legen Sie Bitte einen Tauchsieder/Wasserkocher bei. Ich muss Kaffeewasser mittels Rasierklingenkocher erwärmen.

Forderungen unter http://ggraus.blogsport.at/2017/01/05/georg-huss-im-franzoesischen-haefn-im-hungerstreik/ abrufbar

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